Der Lothringer Stil ist die Bauweise der Bergarbeiterhäuser, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts im östlichen Bergbaurevier von Süd-Limburg (Niederlande) errichtet wurden — erkennbar an Fassaden, in denen große verputzte Flächen mit sichtbarem Ziegelmauerwerk kombiniert werden. Der Name verweist auf Lothringen: Die Familie De Wendel, die 1908 die Konzession Oranje-Nassau übernahm, brachte die Bautradition ihrer Heimatregion mit.
Hintergrund
Mit dem Aufkommen der Gruben um 1900 stieg der Bedarf an Arbeitskräften — und damit an Wohnraum. Die Bergbauunternehmen errichteten ganze Kolonien in Eigenregie. Das war kein Wohltätigkeitswerk, sondern betriebliches Interesse: Gut untergebrachte Arbeiter blieben länger, waren gesünder und produktiver. Die Häuser wurden bewusst großzügig geplant, mit eigenem Garten, in dem Gemüse angebaut und Hühner gehalten werden konnten.
Merkmale
- Verputzte Fassadenflächen — große, meist helle Putzflächen zwischen Bändern und Einfassungen aus Sichtmauerwerk. Das wirkte frischer als eine reine Ziegelfassade
- Einfache, rechteckige Grundrisse — zweckmäßig und solide, ohne überflüssige Anbauten
- Wiederholung in Blöcken — Häuser in Reihen oder Blöcken zu zwei bis vier Einheiten mit jeweils demselben Fassadentyp
- Grüne Anlage — großzügige Vorgärten, Hausgärten und Grünzüge; die Kolonien wirken eher wie Gartenstädte als wie Stadtviertel
- Solide Ausführung — massives Mauerwerk, hölzerne Balkenlagen und ein einfaches, meist mit Ziegeln gedecktes Dach
Wo man sie findet
Die bekanntesten Beispiele stehen in Heerlen und Landgraaf, unter anderem in der Bergbaukolonie De Leenhof. Bis in die 1920er Jahre wurde in dieser Art weitergebaut. Viele dieser Viertel stehen heute unter Denkmal- oder Ensembleschutz, sodass Umbauten und Fassadenänderungen fast immer mit der Behörde abgestimmt werden müssen.
Verwandte Begriffe
- Arbeiterwohnung
- Baustil
- Fassadenputz
- Kulturhistorischer Wert
- Denkmal
- Reihenbebauung
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