Dampfdiffusion ist der natürliche Transport von Wasserdampf durch ein Material aufgrund eines Unterschieds in der Wasserdampfkonzentration oder im Dampfdruck zwischen zwei Seiten. Sie ist ein wichtiges bauphysikalisches Phänomen, weil sie bestimmt, wie Feuchtigkeit durch eine Wand-, Dach- oder Bodenkonstruktion wandert, und damit, wo Tauwasser und mögliche Feuchteschäden entstehen können.
Wie funktioniert Dampfdiffusion?
Wasserdampf verhält sich wie ein Gas und strebt nach Gleichgewicht: Er bewegt sich von einer Umgebung mit hohem Dampfdruck zu einer Umgebung mit niedrigem Dampfdruck. In deutschen Wohnhäusern ist es innen meist wärmer und feuchter als außen, besonders im Winter. Dadurch diffundiert Wasserdampf von innen nach außen durch die Konstruktion.
Bei einem gut durchdachten bauphysikalischen Aufbau verlässt dieser Dampf die Konstruktion, ohne dass Kondenswasser entsteht. Bei einer falschen Reihenfolge der Materialien kann der Dampf irgendwo in der Konstruktion unter den Taupunkt abkühlen, wodurch sich Feuchtigkeit niederschlägt.
Sd-Wert und Dampfdiffusionswiderstand
Der Dampfdiffusionswiderstand eines Materials wird im Sd-Wert (in Metern) ausgedrückt:
- Sd < 0,5 m — diffusionsoffen (z. B. Mineralwolle, einige Folien)
- Sd 0,5-20 m — diffusionshemmend (Sperrholz, OSB, Kraftpapier)
- Sd > 100 m — dampfdicht (PE-Folie, Bitumen, Metall)
Der μ-Wert (Mü) ist die Dampfdiffusionswiderstandszahl eines Materials im Verhältnis zu Luft. Der Sd-Wert errechnet sich aus μ × Dicke.
Faustregel: dampfdicht auf der warmen Seite
Für einen gesunden mitteleuropäischen Aufbau gilt die Faustregel:
Der Dampfwiderstand nimmt von innen nach außen ab.
Also befindet sich auf der Innenseite eine dampfbremsende oder dampfdichte Schicht (Folie, OSB), in der Mitte die Wärmedämmung und auf der Außenseite eine diffusionsoffene wasserführende Folie. So kann der Dampf, der dennoch in die Konstruktion gelangt, nach außen entweichen.
Zu beachten
- Luftdichtheit — Luftlecks transportieren um ein Vielfaches mehr Feuchtigkeit als die Diffusion selbst
- Detailanschlüsse — bei Eckanschlüssen, Durchführungen und Fensteranschlüssen entsteht das Problem häufig
- Diffusionsoffen vs. dampfaktiv — moderne Folien können ihren Sd-Wert an die Luftfeuchtigkeit anpassen
Anwendung
Dampfdiffusionsberechnungen werden nach DIN EN ISO 13788 oder dem Glaser-Verfahren durchgeführt, um zu beurteilen, ob eine Konstruktion ein Risiko für inneres Tauwasser aufweist.
Verwandte Begriffe
- Dampfsperre
- Dampfbremse
- Diffusionsoffene Folie
- Taupunkt
- Bauphysik
- Wärmedämmung
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