Bossenwerk bezeichnet Mauerwerk, dessen Ansichtsfläche rau und hervortretend ausgeführt ist, während die Ränder glatt bearbeitet und die Fugen tief eingeschnitten sind. Diese Bearbeitung, auch Rustika oder Bossierung genannt, verleiht einer Fassade einen schweren, robusten und plastischen Charakter. Jeder Steinblock tritt dabei deutlich gegenüber den Fugen hervor.
Merkmale
Beim Bossenwerk wird bewusst ein Relief in der Fassade erzeugt:
- Hervortretende Ansichtsfläche — der mittlere Teil jedes Steins wölbt sich nach außen, mal roh behauen (rustikal), mal geglättet
- Glatte Ränder — entlang der Kanten wird ein schmaler, ebener Streifen gehauen (der Randschlag)
- Tiefe Fugen — die Fugen werden vertieft oder abgeschrägt, sodass jeder Stein scharf abgezeichnet wird
- Schattenwirkung — das tiefe Relief sorgt für starke Schattenlinien und eine monumentale Ausstrahlung
Anwendung
Bossenwerk wird vor allem eingesetzt, um Kraft und Würde auszustrahlen:
- Sockel und Plinthen — der untere Teil einer Fassade wird oft bossiert, um einen festen „Fuß” zu suggerieren
- Renaissance- und klassizistische Fassaden — bei denen das Erdgeschoss schwer bossiert und die Obergeschosse feiner ausgeführt sind
- Portale und Ecken — Ecksteine werden bossiert, um die Ecke zu betonen
- Öffentliche Gebäude und Banken — wo Solidität und Vertrauen ausgestrahlt werden sollen
Die Bearbeitung kann in Naturstein gehauen werden, wird aber auch im Putz (Quaderputz) oder Gussstein nachgeahmt.
Verwandte Begriffe
- Naturstein
- Bossierung
- Fassade
- Eckstein
- Quaderputz
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.