Die Apothesis bezeichnet den geschwungenen Übergang am oberen Ende eines Säulenschafts, an dem sich das Profil vom vertikalen Schaft zum Kapitell hin einwärts krümmt. Sie ist das obere Gegenstück zur Apophyge am Säulenfuß und sorgt für einen fließenden, harmonischen Übergang zwischen Schaft und Kapitell.
Form und Position
Die Apothesis befindet sich unmittelbar unterhalb des Kapitells, dort wo der Säulenschaft seine geringste Verjüngung erreicht. Der Schaft einer klassischen Säule ist nicht zylindrisch, sondern verjüngt sich nach oben hin leicht (Entasis). Am oberen Abschluss wird diese Verjüngung durch eine konkave Einziehung abgeschlossen — die Apothesis.
Diese Einziehung bildet einen sanften Bogen, der sich tangential an den Schaft anschließt und in das unterste Glied des Kapitells übergeht. Bei dorischen Säulen leitet die Apothesis zum Echinus über, bei ionischen Säulen zum Astragal.
Unterschied zur Apophyge
Die Begriffe Apothesis und Apophyge werden in der Fachliteratur gelegentlich synonym verwendet. Streng genommen bezeichnet die Apophyge jedoch den Übergang am Säulenfuß (unten) und die Apothesis den Übergang am Säulenkopf (oben). Beide Übergänge haben die gleiche geometrische Grundform — eine konkave Krümmung —, befinden sich aber an entgegengesetzten Enden des Schafts.
Bedeutung für die Säulenproportionierung
Die Apothesis spielt eine entscheidende Rolle für die visuelle Wirkung einer Säule. Ohne diesen Übergang würde der Schaft unvermittelt in das Kapitell übergehen, was einen harten, unharmonischen Eindruck erzeugen würde. Die Einziehung erweckt den optischen Eindruck, als würde das Kapitell organisch aus dem Schaft herauswachsen.
In der Praxis mussten antike Steinmetze die Apothesis mit großer Sorgfalt ausarbeiten. Eine zu starke Krümmung ließ die Säule dünn und schwach wirken, eine zu schwache Krümmung machte den Übergang kaum wahrnehmbar.
Verwandte Begriffe
- Apophyge
- Entasis
- Echinus
- Kapitell