Das Blattkapitell ist ein Säulenkapitell, bei dem der Kapitellkörper mit stilisierten oder naturalistischen Blattformen geschmückt ist und das seit der Antike zu den wichtigsten Elementen der architektonischen Ornamentik zählt.
Formen und Stilepochen
Blattkapitelle treten in verschiedenen Stilepochen und Ausprägungen auf. Die bekannteste Form ist das korinthische Kapitell der griechischen und römischen Antike, bei dem zwei oder drei Reihen von Akanthusblättern den Kapitellkorb umgeben. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Varianten:
- Korinthisches Kapitell: Akanthusblätter in mehreren Reihen, darüber Voluten. Gilt als die reichste der klassischen Säulenordnungen.
- Romanisches Blattkapitell: Vereinfachte, stark stilisierte Blattformen, oft symmetrisch angeordnet. Typisch für Kirchen und Klöster des 11. und 12. Jahrhunderts.
- Gotisches Blattkapitell: Naturalistische Darstellung von Eichen-, Efeu- oder Weinblättern. Die Formen sind oft so detailliert, dass die Pflanzenart bestimmbar ist.
- Komposit-Kapitell: Verbindung von korinthischen Blattformen mit ionischen Voluten.
Herstellung und Technik
Die Herstellung eines Blattkapitells erfordert hohes handwerkliches Geschick. In der Steinmetzarbeit wird der Kapitellrohling zunächst grob vorgearbeitet und anschließend die Blattformen im Detail herausgearbeitet. Die Tiefe der Hinterschneidungen bestimmt die plastische Wirkung.
Bei historischen Gebäuden bestehen Blattkapitelle aus Naturstein wie Sandstein, Kalkstein oder Marmor. In der Denkmalpflege werden beschädigte Blattkapitelle heute mit Steinergänzungsmörtel restauriert oder bei starkem Verfall als Kopie in Naturstein oder Kunststein nachgefertigt. Auch Abguss-Verfahren mit Spezialmörteln kommen zum Einsatz.
Im modernen Bauwesen finden sich Blattkapitelle vor allem bei repräsentativen Bauten und in der klassizistischen Architektur.
Verwandte Begriffe
- Korinthische Ordnung
- Akanthusornament
- Säulenkapitell
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.