Bandbebauung ist eine Bebauung, die sich in einem langgestreckten Band entlang einer einzigen Erschließungslinie entwickelt — einer Straße, einem Deich, einem Kanal oder einer Rodungsachse —, meist nur ein oder zwei Grundstücke tief, mit offener Landschaft unmittelbar hinter der Bebauung.
Es ist keine entworfene städtebauliche Form, sondern ein gewachsenes Muster: Alle wollten an der Straße oder am Wasser liegen, also wurde entlang der Linie gebaut und nicht dahinter.
Wie sie entsteht
Bandbebauung geht häufig auf die Erschließungsgeschichte zurück:
- Rodungs- und Moorkolonisationsbänder. Bei der Urbarmachung erhielt jeder Siedler einen schmalen, tiefen Streifen senkrecht zu einer Erschließungsbasis. Der Hof kam an den Kopf dieses Streifens, an Straße oder Kanal. Weil alle Streifen gleich breit waren, stehen die Höfe in regelmäßigem Abstand in einer Reihe — das Bild, das Moorkolonien und Marschsiedlungen prägt.
- Deichbebauung. Bebauung auf und entlang eines Deiches, weil dies die einzige trockene und befahrbare Linie in der Landschaft war.
- Ausfallstraßenbebauung. Im 19. und 20. Jahrhundert wuchs ein Dorf entlang der Ausfallstraße heraus, wobei sich das Band vom Kern löste. Im Englischen heißt dieser Typ ribbon development; in Großbritannien wurde sein ungebremstes Wachstum 1935 gesetzlich eingeschränkt.
Merkmale
- Große Vielfalt. Weil ein Band über Jahrhunderte gefüllt wurde, stehen Bauten aller Epochen nebeneinander: ein Hof neben einem Haus der 1930er neben einem heutigen Einfamilienhaus. Dieser Wechsel in Alter, Firstrichtung, Höhe und Baulinie ist gerade das Kennzeichnende.
- Wechselnde Baulinie. Anders als in einer Straße stehen die Häuser nicht streng in Reihe; das Versetzen gehört dazu.
- Durchblicke. Zwischen der Bebauung liegen offene Stellen mit Sicht auf die dahinterliegende Landschaft. Diese Durchblicke sind räumlich oft das wertvollste Merkmal eines Bandes.
- Nutzungsmischung. Wohnen, ein landwirtschaftlicher Betrieb, eine Werkstatt und mitunter ein Laden nebeneinander.
Was gilt, wenn man in einem Band bauen will
Bänder werden in kommunalen Planungen fast immer gesondert behandelt, gerade weil das Bild empfindlich ist. Zu berücksichtigen sind:
- Erhalt der Durchblicke. Viele Gemeinden schreiben einen Mindestabstand zwischen Baukörpern vor oder untersagen das Schließen offener Stellen, damit das Band keine geschlossene Straßenwand wird.
- Firstrichtung und Firsthöhe. Häufig ist vorgeschrieben, dass der First quer oder gerade längs zur Straße verläuft, in Anlehnung an die Umgebung.
- Keine zweite Reihe. Bauen hinter dem Band — die sogenannte Hinterlandbebauung — wird meist nicht zugelassen, weil es das landschaftliche Prinzip durchbricht.
- Verkehrssicherheit und Erschließung. Eine neue Zufahrt an einer stark befahrenen Bandstraße erfordert die gesonderte Zustimmung des Straßenbaulastträgers.
- Lärm und Abstandsregelungen. In einem gemischten Band kann ein landwirtschaftlicher Betrieb die Errichtung einer Wohnung in geringer Entfernung einschränken.
Kurz: In einem Bebauungsband ist der Bebauungsplan meist spezifischer und strenger als in einem regulären Wohngebiet. Vor dem Entwurf die geltenden Festsetzungen und Gestaltungssatzungen einsehen.
Verwandte Begriffe
- Baulinie
- Bebauungsplan
- Gestaltungssatzung
- Firstrichtung
- Urbarmachung
- Baufenster
- Erhaltungssatzung
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