Im Bauwesen bedeutet Atmen, dass ein Material oder eine Konstruktion in der Lage ist, Feuchtigkeit (Wasserdampf) aufzunehmen, vorübergehend zu speichern und wieder an die Umgebung abzugeben. Dieser Vorgang wird auch als Feuchtepufferung bezeichnet und ist wesentlich für ein gesundes Raumklima.
Wie funktioniert das Atmen?
Baumaterialien, die atmen können, besitzen eine offene Porosität. Wasserdampf kann durch die Poren des Materials wandern — von der Seite mit hoher Luftfeuchtigkeit zur Seite mit niedrigerer Luftfeuchtigkeit. Dies ist das Prinzip der Dampfdiffusion.
Ein atmendes Material:
- Nimmt Feuchtigkeit auf, wenn die relative Luftfeuchtigkeit hoch ist
- Gibt Feuchtigkeit ab, wenn die Luftfeuchtigkeit sinkt
- Verhindert Kondensation, weil Feuchtigkeit allmählich transportiert wird
Anwendung
Atmungsaktive Materialien werden eingesetzt bei:
- Außenwänden — Kalkmörtel, Lehmputz und unglasierter Ziegel sind von Natur aus diffusionsoffen
- Dämmung — Mineralwolle, Holzfaserdämmung und Zellulose ermöglichen Dampftransport
- Folien — diffusionsoffene Folien (Unterdachbahnen) lassen Wasserdampf durch, halten aber flüssiges Wasser ab
- Innenausbau — Lehmputz und Kalkputz puffern Feuchtigkeit besser als dampfdichte Latexfarbe
Warum ist Atmen wichtig?
Eine Konstruktion, die nicht atmen kann, riskiert:
- Feuchtigkeitsansammlung — Feuchtigkeit, die nicht entweichen kann, staut sich in der Konstruktion
- Schimmelbildung — dauerhaft hohe Feuchtigkeit hinter dampfdichten Schichten verursacht Schimmel
- Materialschäden — Holz kann faulen, Metall kann korrodieren
Verwandte Begriffe
- Diffusionsoffenes Bauen
- Dampfdiffusion
- Feuchtigkeitsregulierung
- Raumklima
- Mineralwolle
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