Die Apophysis — auch Apophyge genannt — ist die sanft geschwungene Übergangszone am unteren Ende eines Säulenschafts, an der sich das Säulenprofil von der vertikalen Schaftfläche zur horizontalen Basis hin einwärts krümmt. Dieser konkave Bogen bildet eine elegante Verbindung zwischen dem Säulenschaft und dem Säulenfuß (Torus oder Plinthe).
Geometrische Form
Die Apophyge ist keine scharfe Kante, sondern eine leichte Einziehung mit konkavem Profil. Der Übergang erfolgt als Viertelbogen oder als S-Kurve, die sich tangential sowohl an den Schaft als auch an das anschließende Profilglied anschmiegt. Die Krümmung ist so fein, dass sie mit bloßem Auge kaum als eigenständiges Element wahrgenommen wird — sie sorgt vielmehr für einen fließenden, organischen Übergang.
Position an der Säule
An einer klassischen Säule treten Apophysen an zwei Stellen auf:
- Untere Apophyge: Am Fuß des Schafts, als Übergang zum Säulenfuß (Basis)
- Obere Apophyge: Am Kopf des Schafts, als Übergang zum Kapitell
Die untere Apophyge kommt bei allen klassischen Säulenordnungen vor, die eine Basis besitzen — also bei ionischen, korinthischen und kompositen Säulen. Bei der dorischen Ordnung, die in der griechischen Architektur ohne Basis ausgeführt wurde, beginnt der Schaft direkt auf dem Stylobat, jedoch mit einer leichten Einziehung als Apophyge.
Architektonische Bedeutung
Die Apophyge ist ein Beispiel für die außerordentliche Feinheit der klassischen Architektur. Sie verhindert, dass der Säulenschaft abrupt auf der Basis aufsitzt, und erzeugt ein optisches Gefühl von Leichtigkeit und Elastizität. Die Säule wirkt so, als würde sie sich organisch aus ihrem Fundament erheben.
Diese Detailgenauigkeit war für antike Baumeister von großer Bedeutung. Die Profilierung wurde auf der Baustelle von Hand ausgearbeitet und zeugt vom hohen handwerklichen Können der Steinmetze.
Verwandte Begriffe
- Apothesis
- Torus
- Entasis
- Basis (Säulenfuß)