Was ist Amsterdam im Bauwesen?

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Was ist Amsterdam im Bauwesen?

Amsterdam nimmt im Bauwesen eine Sonderstellung ein: Die Stadt ist fast vollständig auf weichem, sumpfigem Untergrund errichtet. Jedes Gebäude benötigt eine Pfahlgründung, um nicht im Boden zu versinken. Diese einzigartige Herausforderung hat über Jahrhunderte spezielle Bautechniken hervorgebracht, die bis heute Einfluss auf das Bauen in den Niederlanden haben.

Der Untergrund

Amsterdam liegt auf einer Schicht aus Torf und weichem Lehm, die mehrere Meter dick sein kann. Dieser Boden ist für die Gründung von Gebäuden völlig ungeeignet — er hat praktisch keine Tragfähigkeit. Erst in einer Tiefe von etwa 12 Metern beginnt die erste Sandschicht (die sogenannte “Erste Sandschicht”), die ausreichend tragfähig ist. Darunter folgen weitere Ton- und Sandschichten bis zur “Zweiten Sandschicht” in etwa 20 bis 25 Metern Tiefe.

Pfahlgründungen

Seit dem Mittelalter werden in Amsterdam Gebäude auf Holzpfählen errichtet. Diese werden durch den weichen Boden bis in die tragende Sandschicht gerammt. Historische Gebäude stehen auf 10 bis 20 Holzpfählen, monumentale Bauten auf deutlich mehr — der Königspalast am Dam beispielsweise auf 13.659 Pfählen.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden Holzpfähle zunehmend durch Betonpfähle ersetzt, die bis zur Zweiten Sandschicht reichen und deutlich höhere Traglasten aufnehmen können.

Das Problem der Pfahlfäule

Holzpfähle bleiben nur unter Wasser dauerhaft erhalten. Sinkt der Grundwasserspiegel — durch Dürreperioden, Bauarbeiten in der Umgebung oder Leckagen in der Kanalisation — trocknen die Pfahlköpfe aus und beginnen zu verrotten. Geschätzt 25.000 bis 35.000 Gebäude in Amsterdam sind von diesem Problem betroffen.

Die Sanierung ist aufwändig und teuer: Das Gebäude wird angehoben, die alten Pfähle werden ersetzt oder durch neue Betonpfähle ergänzt. Die Kosten können leicht 100.000 Euro oder mehr pro Gebäude betragen.

Schiefe Häuser

Viele der berühmten Grachtenhäuser stehen sichtbar schief. Das hat mehrere Ursachen: ungleichmäßige Setzungen der Pfähle, unterschiedliche Belastungen und Veränderungen im Grundwasserstand. Manche Häuser neigen bewusst nach vorne — die sogenannte “Vorneigung” erleichterte es, mit Flaschenzügen Waren in die oberen Stockwerke zu heben.

Modernes Bauen in Amsterdam

Heute wird in Amsterdam mit modernen Gründungstechniken gearbeitet. Vorgespannte Betonpfähle, Bohrpfähle und Schlitzwände ermöglichen auch den Bau von Hochhäusern und Tiefgaragen auf dem schwierigen Untergrund. Gleichzeitig bleibt der Schutz des Grundwasserspiegels eine zentrale Aufgabe der Stadtplanung.

Verwandte Begriffe

  • Pfahlgründung
  • Amsterdamer Methode
  • Tiefgründung
  • Setzung
  • Tragfähiger Baugrund

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