Am 28. April 2025 fiel um 12:33 Uhr der Strom auf der gesamten Iberischen Halbinsel aus. Spanien und Portugal lagen gleichzeitig ohne Elektrizität. 47 Millionen Menschen waren betroffen. Züge standen still, Ampeln fielen aus, Krankenhäuser schalteten auf Notstrom um. Es dauerte Stunden, bis das Stromnetz vollständig wiederhergestellt war.
Im März 2026 veröffentlichte ENTSO-E (der europäische Dachverband der Netzbetreiber) den Abschlussbericht. Die Schlussfolgerungen sind ernüchternd — und hochrelevant für Deutschland, das selbst zunehmend erneuerbare Energie ins Netz speist.
Was genau passierte?
Um 12:30 Uhr am 28. April 2025 wurden 78 % des spanischen Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt. Solarenergie allein lieferte fast 60 % der Gesamtproduktion. Konventionelle Kraftwerke (Gas, Kernenergie) lieferten lediglich 15 %.
Dann lief etwas schief:
| Zeitpunkt | Was geschah |
|---|---|
| 12:32:00 | Leistungsabfall großer Solarparks in Spanien um ~500 MW |
| 12:32:48 | In der Region Badajoz fallen 727 MW Solarstrom weg |
| 12:33:16 | Innerhalb von 2 Sekunden verschwinden weitere 928 MW in fünf Provinzen |
| 12:33 – 12:35 | Insgesamt mehr als 2.500 MW Erzeugungsleistung verloren |
| 12:35+ | Kaskadeneffekt: ganz Spanien und Portugal fallen aus |
Die unmittelbare Ursache: Überspannung im Netz (über 435 kV), durch die sich Solarparks automatisch abschalteten. Das löste eine Kettenreaktion aus.
Quelle: ENTSO-E Abschlussbericht März 2026, PV Tech
Die tieferen Ursachen laut ENTSO-E
Der ENTSO-E-Bericht (erstellt von einem Expertengremium mit 49 Mitgliedern, veröffentlicht am 20. März 2026) benennt nicht eine einzelne Ursache, sondern ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren:
1. Spannungsregelung versagte. Es gab strukturelle Mängel in der Spannungsregelung des spanischen Netzes. Die Blindleistungsregelung funktionierte nicht wie erwartet.
2. Netzoszillationen. Das Stromnetz zeigte ungewöhnliche Schwingungen, die nicht rechtzeitig erkannt oder gedämpft wurden.
3. Zu wenig rotierende Reserve. Mit nur 15 % konventioneller Erzeugung fehlte die nötige “rotierende Masse”, um das Netz bei plötzlichen Veränderungen zu stabilisieren.
4. Mangelnde Interkonnektivität. Die Iberische Halbinsel hat ein Interkonnektionsverhältnis von lediglich 3,4 % mit dem Rest Europas. Die EU-Norm liegt bei 10–15 %. Die Verbindung zu Frankreich war schlicht zu schwach, um das Defizit aufzufangen.
5. Institutionelle Defizite. Regulatorische Hindernisse verhinderten den Einsatz von erneuerbaren Anlagen mit zertifizierter Spannungsregelung. Marktgestaltung und Betriebsentscheidungen waren nicht auf die Echtzeit-Netzstabilität ausgerichtet.
Quelle: Baker Institute, The Conversation
5 Lehren für Deutschland
Lektion 1: Mehr Erneuerbare = mehr Bedarf an Netzstabilität
Deutschland befindet sich auf einem ähnlichen Weg wie Spanien: immer mehr Solar- und Windenergie, immer weniger konventionelle Kraftwerke. Der Unterschied: Deutschland ist durch TenneT, Amprion, 50Hertz und TransnetBW besser in das europäische Verbundnetz eingebunden als Spanien. Aber das ist keine Garantie.
Was das für dich bedeutet: Der Bedarf an Energiespeicherung (Heimspeicher, großskalige Speicher) wird weiter wachsen. Das Netz braucht Puffer.
Lektion 2: Energiespeicherung ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit
Ein Heimspeicher ist nicht nur gut für die Haushaltskasse. Er trägt zur Stabilität des Stromnetzes bei. Wenn Millionen von Haushalten einen Teil ihres Solarstroms speichern, anstatt ihn einzuspeisen, wird das Netz entlastet.
Lektion 3: Interkonnektivität schützt — aber nicht vollständig
Deutschland ist deutlich besser mit seinen Nachbarländern vernetzt als Spanien. Bei einem großräumigen Ausfall in ganz Westeuropa wäre diese Verbindung jedoch nur begrenzt hilfreich. Echte Widerstandsfähigkeit entsteht durch lokale Erzeugung und lokale Speicherung.
Lektion 4: Ein Notfallpaket ist keine Übertreibung
47 Millionen Menschen saßen stundenlang ohne Strom. Keine Geldautomaten, keine Ampeln, kein Kochen auf dem Induktionsherd. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt, für mindestens 10 Tage Vorräte zu haben — der Blackout in Spanien zeigt, warum.
Lektion 5: Die Energiewende ist sinnvoll, aber sie erfordert mehr als nur Panels aufs Dach
Solaranlagen und Windkraft sind unverzichtbar. Aber ohne intelligente Netzstabilisierung, ausreichende Speicherkapazitäten und gute Verbundnetze wird das System anfällig. Die Energiewende ist nicht abgeschlossen, wenn die Panels auf dem Dach liegen — es muss auch in die dahinterliegende Infrastruktur investiert werden.
Kann das in Deutschland passieren?
Die Wahrscheinlichkeit eines vollständigen Blackouts wie in Spanien ist in Deutschland geringer — aus drei Gründen:
| Faktor | Spanien | Deutschland |
|---|---|---|
| Interkonnektivität | 3,4 % (weit unter EU-Norm) | ~12–15 % (über EU-Norm) |
| Konventionelle Reserven | 15 % zum Zeitpunkt des Blackouts | Höher (Gaskraftwerke, Pumpspeicher) |
| Netzkoordination | Fragmentiert | Vier Übertragungsnetzbetreiber, BNetzA-Aufsicht |
Aber “geringer” bedeutet nicht “null”. Bei extremen Bedingungen — Hitzewelle + viel Sonne + wenig Wind + hohe Nachfrage — kann auch das deutsche Netz unter Druck geraten. Und mit der wachsenden Netzüberlastung wird dieses Risiko nicht kleiner.
Was kannst du selbst tun?
- Ein Notfallpaket zusammenstellen — Wasser, Lebensmittel, Taschenlampe, batteriebetriebenes Radio, Bargeld
- Einen Heimspeicher in Betracht ziehen — nicht nur für die Kostenersparnis, sondern auch für die Versorgungssicherheit
- Alternativen bereithalten — eine Powerbank, Kerzen, ein Campingkocher
- Die Nachbarn kennen — im Ernstfall hilft man sich gegenseitig
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauerte der Blackout in Spanien?
Der vollständige Ausfall dauerte mehrere Stunden. In manchen Regionen war der Strom erst nach 12–16 Stunden vollständig wiederhergestellt.
Gab es Opfer?
Ja. Durch den Ausfall von Ampeln, Aufzügen und medizinischen Geräten wurden Verletzte und indirekte Opfer gemeldet.
Lagen die Solaranlagen im Argen?
Nein. Die Solaranlagen funktionierten korrekt. Das Problem lag in der Spannungsregelung des Netzes und der unzureichenden Koordination des Gesamtsystems. Der ENTSO-E-Bericht betont ausdrücklich, dass es sich nicht um ein technisches Versagen der Solaranlagen handelte, sondern um systemische Fehler im Netzmanagement.
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