Was ist Leichenhaus?
Ein Leichenhaus (niederländisch: baarhuisje) ist ein kleines Gebäude auf einem Friedhof, das zur vorübergehenden Aufbahrung von Verstorbenen vor der Beerdigung diente. Es ist ein charakteristisches Element der historischen Friedhofsarchitektur.
Anwendung
Leichenhäuser wurden ab dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert auf Friedhöfen als praktische und hygienische Lösung errichtet. In einer Zeit ohne Kühltechnik war es notwendig, Verstorbene an einem kühlen, geschützten Ort aufzubewahren, bis die Beerdigung stattfinden konnte. Das Leichenhaus erfüllte diese Funktion und schützte den Leichnam zudem vor Witterungseinflüssen und Tieren.
Bautechnisch sind Leichenhäuser in der Regel einfache, kleine Konstruktionen aus Ziegel- oder Naturstein, häufig mit einem Satteldach oder Walmdach versehen. Die Mauern sind verhältnismäßig dick, um eine kühle Innentemperatur zu gewährleisten. Charakteristisch sind schmale Lüftungsöffnungen oder Gitterfenster, die für Luftzirkulation sorgen, ohne direktes Sonnenlicht einzulassen. Der Boden besteht meist aus Naturstein oder Fliesen.
Viele Leichenhäuser verfügen über einen einzigen Raum mit einer steinernen oder hölzernen Bahre, auf der der Sarg abgestellt wurde. Größere Exemplare haben manchmal einen separaten Raum für die Aufbewahrung von Friedhofsgeräten. Die Tür ist oft mit schwerem Beschlag versehen.
Heute haben die meisten Leichenhäuser ihre ursprüngliche Funktion durch moderne Aufbahrungshallen und Kühleinrichtungen verloren. Viele Exemplare sind jedoch als Baudenkmäler erhalten geblieben und werden im Rahmen der Denkmalpflege restauriert.
Verwandte Begriffe
- Aufbahrungshalle
- Funeralarchitektur
- Friedhofsarchitektur
- Bahre
- Baudenkmal
- Satteldach
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