Eine Fiale ist ein schlanker, turmförmiger Zieraufsatz, der in der Gotik zur Bekrönung von Strebepfeilern, Pinakeln, Giebelspitzen und Strebebögen diente. Die Fiale hat meist eine quadratische oder polygonale Basis, ein spitz zulaufendes Dach und ist reich verziert mit Krabben (knorrigen Blattornamenten) und einer Kreuzblume an der Spitze. Obwohl das Ornament zunächst rein dekorativ wirkt, erfüllt es auch eine konstruktive Funktion.
Bestandteile einer Fiale
Eine typische gotische Fiale besteht aus:
- Schaft – aufrechter Körper, oft mit Blendnischen oder Maßwerk
- Krabben – knorrige Blattornamente entlang der schrägen Rippen der Spitze
- Kreuzblume – blumenförmige Bekrönung an der Spitze
- Pinakel-Basis – quadratischer oder polygonaler Sockel
Anwendung
Fialen wurden in der gotischen Baukunst (12.–16. Jahrhundert) für zwei Zwecke eingesetzt:
Konstruktive Funktion
- Beschwerung von Strebepfeilern – durch zusätzliches Gewicht werden horizontale Schubkräfte des Gewölbes aufgenommen
- Bekrönung von Strebebögen – Verstärkung der Lastverteilung
- Verankerung von Giebelspitzen – zusätzliche Masse gegen Wind- und Schneelast
Dekorative Funktion
- Vertikale Gliederung – verstärkt die hohe, himmelwärts gerichtete Wirkung der Gotik
- Symbol göttlicher Nähe – nach oben strebende Formgebung
- Rhythmus der Fassade – Wiederholung an Strebepfeilern schafft Komposition
Berühmte Beispiele
Die Fiale ist in der europäischen Gotik allgegenwärtig. Berühmte Beispiele finden sich am:
- Kölner Dom – zahllose Fialen an Strebepfeilern und Türmen
- Straßburger Münster – reich verzierte Fialen mit Krabben
- Notre-Dame in Paris – Fialen zwischen den Strebebögen
- Stephansdom in Wien – Turmfialen rund um die Kreuzblume
Verwandte Begriffe
- Pinakel
- Krabbe
- Kreuzblume
- Strebepfeiler
- Gotik
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