Entasis ist die subtile Wölbung in der Mitte eines Säulenschafts, durch die die Säule optisch gerade erscheint. Ohne diese Korrektur würde eine perfekt gerade Säule für das Auge konkav oder eingeschnürt wirken. Die griechischen und römischen Baumeister wandten die Entasis daher serienmäßig bei ihren Tempeln an.
Wie funktioniert Entasis?
Durch eine optische Täuschung erscheint eine lange, sich verjüngende Säule mit perfekt geraden Seiten als konkav. Das Auge sieht die Säule in der Mitte als eingeschnürt. Um dies zu korrigieren, gestalteten die alten Baumeister die Säule:
- Unten — am breitesten (Säulenbasis)
- In der Mitte — leicht verdickt durch die Entasis
- Oben — verjüngt zum Kapitell hin
Die zusätzliche Dicke in der Mitte ist gering — oft nur wenige Prozent des Säulendurchmessers — reicht aber, um die Illusion aufzuheben.
Geschichte
Die Entasis wurde bereits angewendet bei:
- Ägyptischen Tempeln — manchmal schwach sichtbar
- Griechischen dorischen Tempeln — der Parthenon (5. Jh. v. Chr.) ist ein berühmtes Beispiel
- Römischer Architektur — teils weniger ausgeprägt
- Renaissance — wiederentdeckt und theoretisch fundiert durch Vitruv und Palladio
Bei den Säulen des Parthenon liegt die größte Verdickung etwa auf einem Drittel der Säulenhöhe über der Basis.
Entasis im modernen Bau
Bei Nachbauten klassischer Architektur — Museen, Kirchen und Behördenbauten des 18. und 19. Jahrhunderts — wird Entasis weiterhin verwendet. In der heutigen minimalistischen Architektur sieht man diese Technik selten, da die Säulen meist kurz und schlicht gestaltet sind.
Weitere optische Korrekturen
Klassische Tempel nutzten weitere optische Tricks:
- Krümmung des Stylobats — der Unterbau ist leicht konvex gewölbt
- Säulenneigung — Außensäulen lehnen sich leicht nach innen
- Verstärkung der Ecksäulen — Ecksäulen sind etwas dicker
Verwandte Begriffe
- Säule
- Kapitell
- Basis
- Dorisch
- Ionisch
- Korinthisch
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