Eine Spalierlinde ist eine Linde, deren Äste an einem Gerüst aus Latten oder Draht in eine einzige Ebene gelenkt und durch Schnitt in dieser Ebene gehalten werden. Das Ergebnis ist ein Baum, der sich wie eine grüne Wand verhält: breit und hoch, aber kaum tief.
Dieselbe Technik heißt beim Obst Spalierobst; bei anderen Arten spricht man von Spalierbuche, Spalierplatane oder Spalierhainbuche. Die Linde (meist Tilia europaea oder Tilia platyphyllos) ist beliebt, weil sie den Schnitt außergewöhnlich gut verträgt und Jahr für Jahr an derselben Stelle wieder austreibt.
Warum eine Spalierlinde am Gebäude?
Eine Spalierlinde vor einer Süd- oder Westfassade wirkt als jahreszeitlicher Sonnenschutz. Im Sommer filtert das Laub die Sonne und hält Fassade und dahinterliegenden Raum kühler; im Winter steht der Baum kahl und lässt die tiefstehende Sonne durch. Genau umgekehrt verhält sich ein festes Vordach, das das ganze Jahr denselben Schatten wirft.
Daneben dient die Spalierlinde als Sichtschutz über einem Zaun, als Markierung einer Zufahrt und im öffentlichen Raum entlang von Alleen, wo die Krone frei von Fassaden oder Leitungen bleiben muss.
Praktische Hinweise
- Stammhöhe auf Augenhöhe wählen. Für einen Sichtschutz über einem Zaun ist eine Stammhöhe von etwa 180 bis 220 cm üblich; die Laubebene beginnt dann knapp über der Einfriedung.
- Pflanzabstand. Für eine geschlossene Wand rechnet man mit etwa 2 bis 3 Metern zwischen den Stämmen, je nach Breite des gelieferten Gerüsts.
- Das Gerüst ist vorübergehend. Das Bambus- oder Stahlgerüst lenkt die Äste in den ersten Jahren. Nach etwa fünf bis zehn Jahren trägt sich die verwachsene Aststruktur selbst. Bindematerial jährlich prüfen: straff gebundener Draht schnürt den Ast ein.
- Schnitt. Ein Spalierbaum braucht Pflege, sonst verliert er seine Form. Üblich ist ein jährlicher Schnitt im Winter (unbelaubt, Form gut sichtbar) und bei Bedarf ein Sommerschnitt.
- Abstand zur Fassade. Mindestens etwa 1 bis 1,5 Meter einhalten, damit die Äste die Fassade nicht berühren und Luft dahinter zirkulieren kann.
- Honigtau. Linden sind anfällig für Blattläuse; deren Honigtau hinterlässt klebrigen Belag auf Terrasse, Auto oder Fassade. Die Silberlinde (Tilia tomentosa) gilt als weniger anfällig.
- Grenzabstand. Die Abstände von Bäumen zur Grundstücksgrenze regeln in Deutschland die Nachbarrechtsgesetze der einzelnen Bundesländer — sie unterscheiden sich erheblich. Vor dem Pflanzen die Regelung des eigenen Bundeslandes und die kommunale Baumschutzsatzung prüfen.
- Kosten. Eine Spalierlinde ist kein billiger Baum, gerade weil sie jahrelang in der Baumschule gezogen und geleitet wurde. Grob mit mehreren hundert Euro pro Baum rechnen, stark steigend mit dem Stammumfang.
Verwandte Begriffe
- Einfriedung
- Fassadenbegrünung
- Grüne Fassade
- Vordach
- Baum (Bauwesen)
- Baumscheibe
- Klimaangepasstes Bauen
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