Eine Apsidiole ist eine kleine, halbrunde oder polygonale Nische, die an eine Apsis oder an die Außenwand eines Kirchenbaus angefügt ist und als untergeordneter liturgischer Raum dient. Sie ist gewissermaßen eine „kleine Apsis” und tritt vor allem in der romanischen und byzantinischen Kirchenarchitektur auf.
Lage und Anordnung
Apsidiolen befinden sich typischerweise an folgenden Stellen eines Kirchengebäudes:
- Am Chorumgang: In Pilgerkirchen sind Apsidiolen strahlenförmig um den Chorumgang (Ambulatorium) angeordnet. Diese Konfiguration wird als Kapellenkranz bezeichnet und ermöglichte es, mehrere Altäre für den gleichzeitigen Gottesdienst unterzubringen.
- An den Querhausarmen: Jeweils eine oder mehrere Apsidiolen an der Ostseite der Querarme
- An der Hauptapsis: Als seitliche Erweiterung der zentralen Apsis
- Am Langhaus: In seltenen Fällen an den Seitenschiffen
Funktion
Die Apsidiole diente in der mittelalterlichen Liturgie als Nebenkapelle mit eigenem Altar. In einer Zeit, in der Priester täglich eine Messe lesen mussten und ein Altar nur einmal pro Tag verwendet werden durfte, war die Vielzahl der Apsidiolen eine praktische Notwendigkeit.
Darüber hinaus beherbergten Apsidiolen häufig Reliquien von Heiligen. In Pilgerkirchen wie Saint-Sernin in Toulouse oder Santiago de Compostela konnten Pilger den Chorumgang abschreiten und an jeder Apsidiole die dort aufbewahrten Reliquien verehren.
Bauliche Merkmale
Apsidiolen sind deutlich kleiner als die Hauptapsis und haben in der Regel einen Durchmesser von zwei bis vier Metern. Sie werden oft von einer Halbkuppel (Konche) überwölbt und besitzen ein oder zwei schmale Fenster. Die Außenwände sind häufig mit Blendarkaden, Rundbogenfriesen oder Lisenen geschmückt.
Bekannte Beispiele
- Saint-Sernin, Toulouse: Fünf Apsidiolen am Chorumgang
- Klosterkirche Maria Laach: Apsidiolen an Chor und Westwerk
- Dom zu Speyer: Apsidiolen an den Querhausarmen
Verwandte Begriffe
- Apsis
- Chorumgang (Ambulatorium)
- Kapellenkranz
- Konche