Ein Schrägstein ist ein Mauerziegel, bei dem eine Ecke unter einem schrägen Winkel abgearbeitet ist, sodass er in eine nicht rechtwinklige Mauerecke passt. Mit Schrägsteinen baut man saubere schiefwinklige Ecken und vieleckige Wände, ohne dass in jeder Schicht ein unschönes Passstück entsteht.
Der niederländische Begriff lautet lepe steen, von leep — schief oder schräg. Im Englischen heißt der Stein squint.
Wo wird er eingesetzt?
- Nicht rechtwinklige Fassadenecken, etwa dort, wo ein Gebäude einem schräg verlaufenden Grundstück folgt.
- Vieleckige Bauteile wie ein drei- oder fünfseitiger Erker, ein polygonaler Turm oder eine Apsis.
- Abgeschrägte Ecken an der Straße, wo ein spitzer Eckstein sonst abbrechen oder gefährlich vorstehen würde.
- Sichtbare Eckausbildungen, bei denen eine durchgemauerte, saubere Ecke gewünscht ist.
Formstein oder selbst sägen?
Zwei Wege mit deutlich unterschiedlichem Ergebnis:
- Werksformstein. Ziegelwerke liefern Formsteine für gängige Winkel. Großer Vorteil: die Schrägfläche hat eine gebrannte Haut wie der übrige Stein. Farbe, Struktur und Wasseraufnahme passen dadurch zum restlichen Mauerwerk. Nachteil: Lieferzeit und Mehrpreis, und meist nur in festen Winkeln lieferbar.
- Selbst sägen. Mit einer Steinsäge (Nasssäge) auf der Baustelle lässt sich jeder Winkel herstellen. Nachteil: die Schnittfläche zeigt den bleichen, offenen Kern des Steins. Der verfärbt sich anders, verschmutzt schneller und saugt mehr Wasser. Im Sichtmauerwerk fällt das nach einigen Jahren deutlich auf.
Für eine Sichtfassade lohnt der Formstein fast immer. Für Innen- oder Hintermauerwerk genügt Sägen problemlos.
Praxistipps
- Den Winkel vor der Bestellung ermitteln. Mit der Schmiege messen und den Winkel in Grad notieren; bei einem Formstein lässt sich der Winkel nachträglich nicht ändern.
- Großzügig kalkulieren. Je Schicht wird meist ein Schrägstein benötigt, manchmal zwei. 5 bis 10 Prozent Zuschlag für Bruch und Schnittverlust einplanen.
- Auf den Verband achten. Auch an einer schrägen Ecke müssen die Stoßfugen aufeinanderfolgender Schichten versetzt liegen; den Verband vor der ersten Schicht aufzeichnen, statt beim Mauern zu improvisieren.
- Nass sägen. Trockenes Sägen von Ziegeln erzeugt Quarzstaub; der ist beim Einatmen gesundheitsschädlich. Mit Wasser an der Säge und mit Atemschutz arbeiten.
- Die spitze Nase schützen. Ein stark abgeschrägter Stein hat eine dünne Spitze. Beim Andrücken nicht beschädigen und während der Bauzeit aus dem Laufverkehr halten.
Verwandte Begriffe
- Schiefwinklige Ecke
- Mauerverband
- Kreuzverband
- Blockverband
- Halbsteinmauer
- Vollsteinmauer
- Handformstein
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