Was ist ein Leugenaar (Querdach)?

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Ein Leugenaar ist ein Querdach: eine kleine Dachfläche quer zum Hauptdach, meist an der Straßenseite eines Hauses. Sie existiert, um das eigentliche Dach dem Blick zu entziehen, sodass an der Vorderseite eine Traufenfassade mit waagerechtem Gesims oder ein Glockengiebel gebaut werden kann statt eines Giebeldreiecks.

Der niederländische Name sagt es bereits: leugenaar heißt „Lügner” — die Konstruktion lügt. Von der Straße aus wirkt das Haus höher und anders aufgebaut, als es ist. Wer auf Augenhöhe an der Gracht entlanggeht, sieht ein waagerechtes Kranzgesims und denkt an ein zusätzliches Geschoss — dahinter läuft aber schlicht eine Dachschräge weiter.

Warum wurde er gebaut?

Niederländische Stadthäuser hatten traditionell ihre Firstrichtung quer zur Straße: das schmale Haus mit dem Giebel nach vorn. Als im späten 17. und vor allem im 18. Jahrhundert die Traufenfassade in Mode kam — eine Fassade mit gerader, waagerechter Bekrönung — stieß diese Mode mit der bestehenden Dachform zusammen. Die Lösung war der Leugenaar: eine kleine Dachfläche quer zum Hauptdach, deren First parallel zur Straße verläuft.

Hinter der neuen Vorderfassade konnte das alte Dach unverändert bleiben. Bei bestehenden Häusern wurde der Leugenaar deshalb oft nachträglich bei einem Fassadenumbau ergänzt; das ist einer der Gründe, warum viele Grachtenhäuser innen älter sind, als ihre Fassade vermuten lässt.

Konstruktion

  • Der Leugenaar steht rechtwinklig zum Hauptdach und bildet damit eine Kehle, wo beide Dachflächen zusammentreffen.
  • In dieser Kehle liegt eine verdeckte Rinne oder Kehlrinne, die das Wasser beider Flächen abführen muss.
  • Häufig wurde ein zusätzlicher Balken eingebracht, der den dahinterliegenden Binder unterstützt, weil das ursprüngliche Auflager beim Umbau entfiel.

Hinweise für Sanierung und Instandhaltung

  • Die Kehle ist der Schwachpunkt. Eine verdeckte Rinne hinter einer Traufenfassade ist schmal, schwer erreichbar und läuft bei Laubfall schnell voll. Undichtigkeiten dort werden innen oft erst sichtbar, wenn das Holz der Balkenköpfe bereits geschädigt ist. Regelmäßige Inspektion einplanen und für eine Luke oder einen sicheren Standplatz sorgen.
  • Balkenköpfe prüfen. Gerade beim Leugenaar liegen Balkenköpfe nahe an der feuchten Zone der Rinne. Bei der Inspektion auf weiche Stellen anstechen.
  • Die Vorderfassade trägt oft wenig. Eine Traufenfassade vor einem Leugenaar ist teilweise eine Schirmfassade, die vor allem Windlast aufnimmt. Maueranker und die Verbindung zu den Deckenfeldern sind dann konstruktiv entscheidend — bei einem Umbau niemals einfach entfernen.
  • Denkmalschutz. Viele Häuser mit Leugenaar stehen unter Denkmalschutz. Änderungen an Dach, Rinne oder Fassade sind dann genehmigungspflichtig; vorab mit der Behörde abstimmen.
  • Nicht mit einem Scheindach verwechseln. Ein Leugenaar ist eine echte, wasserführende Dachkonstruktion; ein Scheindach ist ein rein dekorativer Schirm ohne Raum dahinter.

Verwandte Begriffe

  • Glockengiebel
  • Satteldach
  • Kehlrinne
  • Verdeckte Rinne
  • Kranzgesims
  • Gaube
  • Pfettendach

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