Ein Bollwerk ist eine massive, vorspringende Befestigungsanlage, die aus einer Verteidigungsmauer herausragt und zur Flankenverteidigung dient. Es wurde entwickelt, um Angreifern aus verschiedenen Winkeln entgegenwirken zu können und tote Winkel entlang der Mauer zu eliminieren.
Anwendung
Das Bollwerk findet sich in zahlreichen historischen und modernen Kontexten:
- Festungsarchitektur: Als zentrales Element von Verteidigungsanlagen seit dem 15. Jahrhundert, besonders nach dem Aufkommen der Feuerwaffen
- Stadtbefestigung: Viele europäische Städte besaßen Bollwerke als Teil ihrer Stadtmauern, etwa in den Niederlanden, Deutschland und Italien
- Küstenschutz: In übertragener Bedeutung werden auch massive Uferbefestigungen und Kaimauern als Bollwerke bezeichnet
- Bastionärbefestigung: Das Bollwerk bildet die Grundlage des sogenannten Bastionärsystems, das von italienischen Festungsbaumeistern im 16. Jahrhundert perfektioniert wurde
- Wasserbau: Schwere Holz- oder Steinstrukturen an Hafenufern zum Schutz gegen Wellenschlag und Erosion
Die typische Form eines Bollwerks ist fünfeckig mit einer Spitze, die dem Feind zugewandt ist. Diese geometrische Anordnung ermöglicht es den Verteidigern, die gesamte Mauerfläche unter Beschuss zu nehmen. Die Flanken des Bollwerks sind so angeordnet, dass sie sich gegenseitig decken können — ein Prinzip, das als Flankenfeuer bekannt ist.
Im modernen Sprachgebrauch wird der Begriff auch metaphorisch verwendet, etwa als „Bollwerk gegen Überschwemmungen” im Wasserbau oder im übertragenen Sinne als Schutzwall.
Verwandte Begriffe
- Bastion
- Kurtine
- Kasematte
- Festungsmauer
- Glacis
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