Die Lagerfläche ist die größte Fläche eines Mauersteins: jene Fläche, mit der der Stein üblicherweise auf der darunterliegenden Schicht zu liegen kommt. Sie gibt das Gewicht des darüberliegenden Mauerwerks weiter und ruht auf dem Mörtelbett.
Ein gewöhnlicher Mauerziegel hat drei Arten von Flächen, deren Namen in jeder Werkzeichnung wiederkehren:
- Lagerfläche — die beiden großen, breiten Flächen oben und unten.
- Läuferseite — die lange schmale Seite, sichtbar wenn der Stein längs in der Wandfläche liegt.
- Kopf- oder Binderseite — die kurze schmale Seite, sichtbar wenn der Stein quer liegt.
Der Mauerverband bestimmt, welche dieser Flächen zu sehen ist: im Läuferverband ausschließlich Läufer, im Block- und Kreuzverband wechseln Läufer und Binder einander ab.
Warum die Lagerfläche zählt
- Kraftübertragung. Mauerwerk ist druckfest, und dieser Druck geht über die Lagerfläche von Stein zu Stein, mit der Lagerfuge dazwischen. Eine vollflächig vermörtelte Lagerfläche — ohne Hohlstellen — bestimmt die Druckfestigkeit der Wand.
- Ebenes Mauern. Ein Stein, dessen Lagerfläche nicht eben aufliegt, verwindet sich und zieht die ganze Schicht schief. Deshalb greift der Maurer immer wieder zu Wasserwaage und Schnur.
- Bei Lochsteinen und Blöcken ist die Lagerfläche teilweise offen (Lochung). Dort muss der Mörtel die Ränder vollständig unterstützen; nur zwei Mörtelraupen aufzutragen ist bei tragendem Mauerwerk selten zulässig.
- Schneiden und Brechen. Wer einen Stein zuschneidet, sollte die Lagerfläche möglichst unversehrt lassen; eine gebrochene Lagerfläche ergibt einen instabilen Stein.
Das Lager bei Naturstein
Bei Naturstein erhält der Begriff eine zusätzliche Bedeutung. Sedimentgesteine wie Sandstein und Kalkstein sind in Schichten abgelagert und besitzen dadurch eine natürliche Schichtung: das Lager. Die Regel lautet, solchen Stein auf sein Lager zu versetzen, das heißt mit den natürlichen Schichten waagerecht, parallel zur Lagerfläche.
Wird der Stein gegen das Lager versetzt — mit hochkant stehenden Schichten — sucht sich Feuchtigkeit ihren Weg zwischen die Schichten und Frost drückt sie auseinander. Die Folge ist schalenartiges Absprengen der Oberfläche. In der Restaurierung ist dies eines der ersten Dinge, auf die ein Steinmetz achtet.
Praktische Hinweise
- Die Lagerfuge vollständig füllen. Halbe Mörtelbänder sind ein häufiger Fehler, der erst Jahre später als Rissbildung und Feuchtedurchschlag sichtbar wird.
- Stark saugende Steine leicht vornässen, damit sie dem Mörtel nicht sofort das Wasser entziehen; zu nasse Steine verschieben sich dagegen.
- Auf die gewünschte Sichtseite achten. Handformsteine haben oft eine schönste Seite; diese nach außen legen und die Lagerfläche im Mörtel halten.
- Bei Naturstein: Lieferung auf Lager verlangen. Ein guter Lieferant zeichnet die Blöcke und sägt sie in der richtigen Richtung.
Verwandte Begriffe
- Läuferschicht
- Kopfschicht
- Mauerverband
- Schichtmaß
- Fuge
- Stoßfuge
- Tonstein
Mehr über Baubegriffe erfahren? Besuche unsere Wissensdatenbank auf fredsbauanleitungen.de/rabatt.