Was ist das Hubplattenverfahren (Lift-Slab)?

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Beim Hubplattenverfahren — international als Lift-Slab bekannt — werden sämtliche Geschossdecken eines Gebäudes auf Geländeniveau übereinander betoniert und anschließend an den bereits stehenden Stützen auf ihre endgültige Höhe hochgezogen.

Das Verfahren wurde in den Vereinigten Staaten entwickelt und ab den 1950er-Jahren eingesetzt, vor allem bei Bürobauten, Parkhäusern und Wohngebäuden mit regelmäßigem Stützenraster.

Der Ablauf

  1. Gründung und Stützen entstehen zuerst. Die Stützen stehen über die volle Gebäudehöhe oder werden schrittweise verlängert.
  2. Die Bodenplatte wird auf dem Untergrund betoniert und dient zugleich als ebene Schalung für die darüberliegenden Decken.
  3. Alle Geschossdecken werden als Stapel darauf betoniert, getrennt durch ein Trennmittel, damit sie nicht aneinander haften. Um jede Stütze liegt ein Stahlkragen — der Hubkragen — der später als Verbindung dient.
  4. Hubpressen auf den Stützenköpfen ziehen die Decken über Zugstangen einzeln nach oben, beginnend mit der obersten. Der Hub erfolgt langsam und synchron; alle Pressen müssen denselben Hub ausführen, sonst hängt die Platte schief.
  5. Auf Höhe angekommen, wird der Hubkragen endgültig mit der Stütze verschweißt oder verbolzt, und die Decke trägt selbstständig.

Warum es attraktiv erschien

  • Kaum Schalung. Die darunterliegende Decke ist die Schalung. Das spart Material, Arbeit und Gerüst.
  • Arbeiten am Boden. Bewehren und Betonieren geschieht auf Geländeniveau, was schneller und sicherer ist als dieselbe Arbeit in der Höhe.
  • Wenig Platzbedarf rings um das Gebäude, was auf engen innerstädtischen Grundstücken zählt.

Das Risiko

Der Schwachpunkt liegt genau in der Phase, die das System einzigartig macht: Solange eine Deckenplatte an den Pressen hängt, ruht sie nicht auf einer endgültigen Verbindung. In diesem Zwischenzustand ist die Konstruktion empfindlich gegenüber Schieflage, gegenüber dem Ausknicken der schlanken Stützen und gegenüber dem Versagen eines einzelnen Aufhängepunktes — woraufhin die Platte abrutschen und die darunterliegenden Platten mitreißen kann.

Genau das geschah 1987 beim Einsturz von L’Ambiance Plaza in Bridgeport, Connecticut, während der Errichtung eines Wohngebäudes im Lift-Slab-Verfahren. 28 Bauarbeiter kamen dabei ums Leben. Das Unglück führte in den USA zu erheblich strengeren Anforderungen an die Standsicherheit im Bauzustand und an die Ausbildung der Platte-Stütze-Verbindung, und das Verfahren geriet weitgehend außer Gebrauch.

Heute

Lift-Slab wird nur noch selten angewandt. Für die Ziele, für die das Verfahren erdacht wurde — Tempo und wenig Schalung —, gibt es inzwischen Alternativen mit günstigerem Risikoprofil: Fertigteil-Hohldielen, Elementdecken und Tischschalungssysteme. In der Baukunde bleibt der Begriff vor allem als Lehrbeispiel bestehen: für eine Methode, die auf dem Papier stimmte, deren maßgebliche Versagenswahrscheinlichkeit aber im temporären Bauzustand lag.

Verwandte Begriffe

  • Flachdecke
  • Hohldielendecke
  • Elementdecke
  • Schalung
  • Stütze
  • Durchstanzen
  • Betonfertigteil

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