Ein Blindpfahl ist ein in den Boden gerammter oder gebohrter Gründungspfahl, der die tragfähige Bodenschicht nicht erreicht und seine Last stattdessen über die Reibung zwischen Pfahlmantel und umgebendem Erdreich in den Baugrund ableitet.
Anwendung
Bei der Pfahlgründung unterscheidet man grundsätzlich zwischen Standpfählen (Spitzentragpfählen) und Reibungspfählen. Der Blindpfahl fällt in die Kategorie der Reibungspfähle. Während ein Standpfahl so tief in den Boden getrieben wird, dass seine Spitze auf einer tragfähigen Schicht wie Fels oder dichtem Sand aufsteht, endet der Blindpfahl in einer weicheren Bodenschicht, ohne einen festen Untergrund zu erreichen.
Die Tragfähigkeit des Blindpfahls beruht ausschließlich auf der Mantelreibung. Das ist die Reibungskraft, die zwischen der Pfahloberfläche und dem umgebenden Erdreich wirkt. Je länger der Pfahl und je größer sein Umfang, desto mehr Reibungsfläche steht zur Verfügung und desto höher ist seine Tragfähigkeit.
Blindpfähle kommen vor allem dort zum Einsatz, wo die tragfähige Bodenschicht in sehr großer Tiefe liegt und wirtschaftlich nicht erreichbar ist. Dies ist beispielsweise in Flussniederungen, Moorgebieten oder Küstenregionen mit mächtigen Weichbodenschichten der Fall. In den Niederlanden und in norddeutschen Küstenstädten wurden historisch viele Gebäude auf Blindpfählen aus Holz gegründet.
Ein Nachteil von Blindpfählen ist ihre geringere Tragfähigkeit im Vergleich zu Standpfählen. Zudem können Setzungen auftreten, wenn sich das umgebende Erdreich verdichtet oder durch Grundwasserabsenkung konsolidiert. Die Bemessung erfordert genaue Kenntnisse der Bodenverhältnisse, die durch Baugrunduntersuchungen und Probebelastungen ermittelt werden.
Verwandte Begriffe
- Reibungspfahl
- Standpfahl
- Pfahlgründung
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