Eine blinde Fassade ist eine geschlossene Gebäudeaußenwand, die keinerlei Fenster, Türen oder andere Öffnungen aufweist und damit eine durchgehend geschlossene Fläche bildet.
Anwendung
Blinde Fassaden entstehen aus verschiedenen bautechnischen und planerischen Gründen. Der häufigste Anlass ist die Grundstückssituation: Wenn ein Gebäude direkt an der Grundstücksgrenze errichtet wird, dürfen nach den meisten Landesbauordnungen in dieser Außenwand keine Öffnungen vorhanden sein. Diese brandschutztechnische Anforderung soll verhindern, dass Feuer von einem Gebäude auf das Nachbargebäude übergreift.
Auch in der Reihenhausbauweise und bei Doppelhäusern treten blinde Fassaden auf. Die gemeinsamen Trennwände zwischen zwei Gebäuden sind als Brandwände ausgeführt und dürfen keine Durchbrüche enthalten. Wird ein Reihenhaus abgerissen, bleibt häufig die blinde Giebelwand des Nachbargebäudes sichtbar zurück.
Aus architektonischer Sicht kann eine blinde Fassade eine gestalterische Herausforderung darstellen. Große, ungegliederte Wandflächen können monoton wirken. Architekten begegnen diesem Problem durch verschiedene Gestaltungsmaßnahmen: Fassadenbegrünung, Relief- oder Strukturputz, vorgehängte Fassadenelemente, Wandmalereien oder die Gliederung durch Vorsprünge und Rücksprünge.
Im historischen Städtebau wurden blinde Fassaden bisweilen mit Scheinarchitektur versehen. Durch aufgemalte oder als Relief ausgeführte Scheinfenster und Scheinportale wurde der Eindruck einer gegliederten Fassade erzeugt, obwohl dahinter eine massive Wand lag. Diese Technik findet sich besonders häufig an barocken und klassizistischen Gebäuden.
Aus energetischer Sicht bieten blinde Fassaden Vorteile: Die geschlossene Wandfläche weist geringere Wärmeverluste auf als eine Fassade mit Fenstern und eignet sich besonders gut für eine nachträgliche Wärmedämmung.
Verwandte Begriffe
- Brandwand
- Scheinfenster
- Vorgehängte Fassade
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