Bleibossierung ist eine handwerkliche Technik der Klempnerei, bei der Bleiblech durch gezieltes Hämmern über ein Holzmodell (Bossierstock) in eine dreidimensionale Form gebracht wird. Diese Technik wird vor allem bei Dach- und Fassadenarbeiten eingesetzt, um Bleiabdeckungen und Anschlussbleche passgenau herzustellen.
Anwendung
Die Bleibossierung findet in verschiedenen Bereichen des Bauhandwerks Anwendung:
- Dachanschlüsse: An Schornsteinen, Dachgauben und Mauervorsprüngen werden Bleischürzen durch Bossierung an die oft unregelmäßigen Oberflächen angepasst. Das Blei wird direkt am Einbauort oder auf einem Holzmodell in Form gehämmert.
- Kehlen und Grate: In Dachkehlen, wo zwei Dachflächen aufeinandertreffen, sorgt bossiertes Blei für eine wasserdichte Verbindung, die sich den komplexen Geometrien anpasst.
- Denkmalpflege: Bei historischen Gebäuden ist die Bleibossierung oft die einzige Möglichkeit, originalgetreue Reparaturen an Bleidächern, Turmhelmen oder Zierrat durchzuführen.
- Werkzeuge: Zum Bossieren werden spezielle Werkzeuge verwendet: Bossierhölzer (glatte Hartholzwerkzeuge), Setzhämmer und Treibhämmer. Das Blei wird kalt verarbeitet, da es bei Raumtemperatur weich genug ist.
- Materialstärke: Für die Bossierung wird Walzblei in Stärken von 1,5 bis 3,0 mm verwendet. Die Weichheit des Bleis ermöglicht eine Verformung ohne Rissbildung, vorausgesetzt, das Material wird gleichmäßig und nicht zu stark gedehnt.
Die Bleibossierung erfordert erhebliche handwerkliche Erfahrung, da zu starkes Hämmern das Material ausdünnt und zu Rissen führen kann. In der modernen Baupraxis wird Blei zunehmend durch Alternativen wie Zink oder EPDM ersetzt, doch im Denkmalschutz bleibt die Bleibossierung eine unverzichtbare Technik.
Verwandte Begriffe
- Klempnerarbeit
- Walzblei
- Dachanschluss
- Kehle
- Bossierholz
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