Ausgesteift bedeutet, dass ein Tragwerk seine seitliche Stabilität durch zusätzliche Verbände, Wandscheiben oder einen Kern erhält, während ein nicht ausgesteiftes Tragwerk seine Stabilität allein aus biegesteifen Verbindungen zwischen Stützen und Trägern bezieht.
Jedes Bauwerk muss neben den lotrechten Lasten auch waagerechte Einwirkungen wie Wind aufnehmen und in die Gründung ableiten. Wie diese horizontale Stabilität erreicht wird, unterscheidet die beiden Systeme. Beim ausgesteiften System übernehmen eigens dafür vorgesehene Bauteile diese Aufgabe. Beim nicht ausgesteiften System sorgen die steifen Rahmenecken selbst für die Standfestigkeit.
Der Unterschied
Die beiden Prinzipien lassen sich so gegenüberstellen:
- Ausgesteift: Diagonalverbände, Wandscheiben oder ein Gebäudekern nehmen die Horizontallasten auf; die Stützen werden dadurch entlastet
- Nicht ausgesteift: Biegesteife Verbindungen (Rahmen) leiten die Horizontallasten über Momente ab; die Stützen müssen zusätzlich Biegung aufnehmen
Anwendung
Die Wahl des Systems beeinflusst Konstruktion und Bemessung:
- Ausgesteifte Rahmen mit Windverbänden bei Stahl- und Holzhallen
- Aussteifende Treppenhaus- oder Aufzugskerne bei Hochhäusern
- Nicht ausgesteifte, biegesteife Rahmen dort, wo Verbände stören würden
- Kombinierte Systeme aus steifen Rahmen und ergänzenden Wandscheiben
Ausgesteifte Systeme sind meist wirtschaftlicher, da die Stützen schlanker ausgeführt werden können. Nicht ausgesteifte Systeme bieten dafür freie, ungestörte Grundrisse.
Verwandte Begriffe
- Aussteifung
- Windverband
- Tragwerk
- Stütze
- Stabilität
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